Aunt Jane´s Place (www.grosmorne.com/victorianmanor/janes.htm), Woody Point. Klasse Tag heute, dabei fing er bescheiden an, mit Regen, Nebel und gerade mal 11 Grad. In solchen Fällen frage ich mich gern, warum zum Teufel ich nicht in wärmeren Gefilden unterwegs bin. Kalifornien oder so. Gut, dass wieder ein Tim in der Nähe war ..
Bis Deer Lake passierte nichts. Der TCH war wie leer gefegt, nur ein paar Miet-Camper waren unterwegs, wahrscheinlich Touristen aus Deutschland. Radio an, Dr. Laura hören. Einem Pärchen aus Saarbrücken beim Tanken geholfen. Die hatten noch nicht herausgefunden, wo der Tankdeckel war.
Deer Lake: Holzfäller, Sägewerke, Zellstoff und Papier, die Stadtgeschichte ist schnell erzählt, dann Krise und Abwanderung, dann die Diversifizierung mit Hilfe von Geld aus Ottawa. Die Papierfabrik gibt´s noch, es gibt auch einen Flughafen mit Verbindungen zum Rest Kanadas. Alles in allem ein stocknüchterner Ort, der nur eine Funktion hat: jeden in der Umgebung mit dem zu versorgen, was er oder sie für den jeweiligen Lebensabschnitt braucht.
Ich mag das (hab´ ich´s schon gesagt?!). Trotzdem habe ich mich nicht lange aufgehalten und bin auf den Hwy. 430. Eine schöne, zweispurige Straße in die Berge, bekannter ist sie als Viking Trail (www.vikingtrail.org). Nach rund 400 km endet sie in St. Anthony, dem angeblich einzigen Ort mit Ampel da oben. Bin gespannt auf den Wikinger-Tourismus.
Doch zuerst kam noch der Gros Morne National Park (www.grosmorne.com). Hab heute noch nicht viel von diesem Nationalpark gesehen, es war schon spät, als ich in Wiltondale auf die Bonne Bay Road abbog. Die Bonne Bay trennt die Northern Peninsula, auf der Karte der lange Zeigefinger links oben, vom Rest der Insel, eine tolle, fjordähnliche Bucht, von steilen Bergen umstellt. Die Straße mogelt sich einen handtuchbreiten Uferstreifen entlang, es geht auf und ab, über kleinen Brücken und an kleinen Häusschen mit Motorbooten in der Einfahrt vorbei.
Das Wetter in Newfoundland ist übrigens absolut nicht voraussagbar. Das einzige, worauf man sich verlassen kann, ist, dass alles anders kommt ans angekündigt. Also nicht verzagen, wenn zehn Tage Regen am Stück angesagt sind. Irgendwo stiehlt sich das Licht immer durch! Als ich in einer Ausbeulung der Straße Woody Point
sehe, öffnet sich der Himmel plötzlich wie ein Vorhang und läßt die Sonne durch. Das Dorf, die Kirche, der Leuchtturm, die Bay, die Berge, soviele Wow-Bilder, dass ich für die letzten Kilometer zwei Stunden brauche.!Aunt Jane´ s Place finde ich sofort. Zwei, drei Kurven, dann bin ich unten am Wasser, die Main Street kurvt am Granite Café vorbei – da trinke ich morgen früh meinen Expresso, yesss – dann sichte ich das B&B auf der linken Straßenseite. Ein einfaches, gelbes Holzhaus, das früher ein Store war und in der Lobby noch die alte Registrierkasse aufbewahrt. Drei nette Damen hinter der Rezeption scheinen nur auf mich gewartet zu haben. Wieder schlägt neufundländische Gastfreundschaft über mir zusammen. Abends treibe ich mich im Dorf herum und mache Bilder. Der Haufen Brennholz gegenüber von Aunt Jane´s hat es mir besonders angetan: Jeder kann ein Bündel mitnehmen, man bezahlt, indem man das Geld in den kleinen Kasten darüber steckt. Das “Honour System” scheint zu funktionen .. In Woody Point habe ich zum ersten Mal das Gefühl, angekommen zu sein.


