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Kanada für Fortgeschrittene – Routentipp für den Yukon

Johnson LakeDiesen Monat möchte ich Euch meinen Routen-Vorschlag für den Yukon vorstellen.
Der Yukon ist zugegebenermaßen keine Region für „Kanada-Beginners“, also eher etwas für „ Fortgeschrittene“. Und die vorgeschlagene Route macht zuerst einen kleinen Abstecher zum Pazifik nach Alaska und führt dann in einer Rundtour durch den Yukon, da es einfach keine anderen Straßen gibt…
Meine Reise durch den Yukon gehört zu den beeindruckendsten Reisen, die ich je unternommen habe. Diese Wildnis, Schönheit und Ungezähmtheit der Natur hat mich zutiefst beeindruckt und ihre Spuren hinterlassen.
Für den wilden Norden würde ich Euch immer ein Wohnmobil als Fortbewegungsmittel empfehlen, denn die Anzahl der Hotels sind sehr rar und in der Hochsaison komplett ausgebucht. Bis auf wenige, sehr gute Lodges, handelt es sich eher um einfache Hotels/Motels mit dem zweifelhaften Charme vergangener Jahrzehnte.
Flugtechnisch ist der Yukon in den Sommermonaten hervorragend nonstop mit Condor ab/bis Frankfurt in nur 8 ½ Stunden Flugzeit erreichbar.
Die Saison im Yukon ist sehr kurz – von Juni bis September. Meine bevorzugte Reisezeit ist der Juni, mit unbeschreiblich langen hellen Tagen an denen die Sonne nicht untergeht, teilweise noch zugefrorenen Seen, schneebedeckten Bergen, noch wenigen Touristen, wenig Mücken und einer gerade aus dem Winterschlaf erwachenden Natur.
Die besten deutschsprachigen Infos gibt’s im Netz unter: (www.travelyukon.de)
Macht Euch auf-die Wildnis ruft!

Routenvorschlag

1. Tag Whitehorse

Whitehorse ist die Hauptstadt des Yukon. Mit 12.ooo Einwohnern allerdings sehr überschaubar und übersichtlich. So ist auch ein Bummel über die „Main-Street“ schnell erledigt. Whitehorse ist ziemlich authentisch mit erfreulich wenigen typischen Schnellrestaurants und Leuchtreklamen (www.city.whitehorse.yk.ca).
Im Visitorcenter gibt es ein paar wichtige Infos, wie die aktuellen Straßenzustandsberichte und über den Umgang mit Bären entlang des Alaska-Highway. Hier startet oder endet im Winter der legendäre „Yukon-Quest“ (www.yukon-quest.com), eines der härtesten Hundeschlitten-Rennen der Welt.

2 Übernachtungen im Hotel

To stay:

Gold Rush Inn (http://www.goldrushinn.com/)
High Country Inn (http://www.highcountryinn.yk.ca/)
Inn on the Lake (http://www.innonthelake.ca/hotel-overview.html)

To do:

Ausflug zum Miles Canyon
Besichtigung der SS Klondike, eines alten Schaufelraddampfers
Bootstour mit der MV Swatka auf dem Swatka-Lake

To know:

Es kann gut sein dass Ihr bereits hier keinen Handy-Empfang mehr habt. Also besorgt Euch gegebenenfalls eine gute alte Telefonkarte.

3.Tag Strecke : Whitehorse-Carcross-Skagway

South Klondike Highway  ca. 180 km ca. 3 ½ Stunden

Ein Navi für die Route erübrigt sich-einfach Richtung Skagway/Alaska.
Und schon bekommt Ihr den ersten überwältigenden Eindruck von den unermesslichen Weiten dieses Landes.
Der South Klondike Highway klettert immer höher hinauf und führt über zerklüftete Küstengebirge wieder hinunter in die fjordähnliche Region von Skagway am Pazifik. (www.skagway.com)

In Skagway beginnt der im Winter mörderische Chilcoot Trail über die Berge zu den Goldadern des Yukon. Diesen musste im 19. Jahrhundert jeder überqueren der als Goldsucher unterwegs war-oder wahlweise die nicht weniger gefährliche Route über den Yukon River mit seinen vielen Stromschnellen nehmen. (www.chikoot.ca)

To stay:

Pullen Creek RV Park Skagway (http://www.pullencreekrv.com/)

To do:

White Pass & Yukon Route – diese Eisenbahnroute wurde 1898 während den Klondike-Goldrausches erbaut und verkehrt im Sommer täglich außer Sonntags von Skagway nach White Pass – Dauer pro Strecke ca. 3 Stunden (www.wpyr.com)

To know:

- In Whitehorse gibt es ein paar große, gut sortierte Supermärkte. Wenn Ihr mit dem Wohnmobil unterwegs seid, kauft unbedingt hier alles Notwendige ein. Und nur im separaten „Liquor Store“ gibt es Bier und Wein für die nächsten Tage. Und auf jeden Fall volltanken…
- Die amerikanischen Grenzbeamten sind hier oben sehr nett und freuen sich eher über Besucher als dass Sie unfreundlich sind. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Sie Euer Wohnmobil durchsuchen aber grundsätzlich gilt: keine Einfuhr von frischen Lebensmitteln nach Alaska. Also seid ein bisschen kreativ…

4. Tag Strecke: Skagway – Haines Fähre

Heute geht es mit der Fähre von Skagway nach Haines. (www.haines.ak.us)

Die Tagesgestaltung hängt ein bisschen von der Abfahrt der Fähre ab.
In den Sommermonaten verkehrt sie täglich außer Sonntags.

Haines liegt ebenfalls direkt am Pazifik und ist ein bekannter Kreuzfahrt- und Fischereihafen. Setzt Euch einfach in ein Café auf der „Main-Street“ und bestaunt das bunte Treiben oder beobachtet die vielen hundert Weißkopfseeadler die hier über Euren Köpfen kreisen. Zur Lachssaison im Herbst sollen es bis zu 4000 sein die sich hier zum Festmahl versammeln.

1 Übernachtung

To stay:

Oceanside RV Park (www.oceansiderv.com)

To know:

Fährplan Skagway-Haines und Reservierung unter (www.ferrytravel.com)
Die Überfahrt dauert ca. 1 Stunde und kostet mit Womo ca. $150-170,-

5.Tag Strecke : Haines – Kathleen Lake

Haines Road ca. 175 km ca. 3 Std.

Spätestens heute heißt es:
ACHTUNG Potwholes! Also: Wenn Ihr ein Schild seht was auf Potwholes (Schlaglöcher) oder Bodenwellen hinweist – Gas weg! Die haben es echt in sich.
Auch trifft man hier gerne mal auf Elche auf der Straße oder den ein oder anderen Bären am Wegesrand. (Insbesondere im Frühsommer wenn hier die ersten saftigen Grünpflanzen wachsen).

Im Hintergrund erhebt sich die Gebirgskette der St. Elias & Wrangell Mountains bzw. der Kluane Nationalpark mit ihren schneebedeckten Gipfeln und dem Mount Logan, dem höchsten Berg Kanadas mit 5959 m.

1 Übernachtung am Kathleen Lake

To stay:

Kathleen Lake campground / Haines Road – gehört zum Kluane Nationalpark (www.pc.gc.ca) first come – first serve

6. Tag Strecke : Kathleen Lake – Haines Junction – Beaver Creek

Alaska Highway  ca. 340 km   ca. 5 Stunden

In Haines Junction gibt es eine kleine Siedlung mit Kneipe und Motel. Jedoch ist hier manchmal die Auswahl im Restaurant etwas dürftig-je nachdem, wann der Lebensmittel-Truck das letzte Mal da war…

Heute also die erste Bekanntschaft mit dem sagenumwobenen Alaska-Highway.
Der ist insgesamt 2223 km lang und führt von Dawson Creek im Norden British Columbias bis nach Delta Junction in Alaska und wurde in einer Rekordzeit von 11 Monaten 1942 gebaut.

Wenn der Kluane Lake vor Euch auftaucht biegt rechts in einen Feldweg ab nach „Silver City“. Das nenne ich mal eine echte Geisterstadt! Anfang des letzten Jahrhunderts gab es hier eine Silbermine und irgendwann war sie ausgebeutet und die Bewohner haben alles stehen und liegen lassen und sich davon gemacht. Hier gibt es verlassene Holzhütten, alte Autowracks und andere längst vergessene Gerätschaften zu entdecken.
Zurück auf dem Alaska-Highway überquert die Straße einen großen Zufluss zum Kluane Lake. Hier liegt das Sheep-Mountain Visitor Center und wenn Ihr Glück habt, seht Ihr die Dall-Schafe überall in den Felsen weiden.

1 Übernachtung

To stay:

Westmark Beaver Creek RV Park (www.westmarkhotels.com)

To do:

Stop am Visitor Center des Kluane Nationalpark in Haines Junction
- Rundflug über den Kulane NP (vorab reservieren!) (www.pc.gc.ca)
- Stopp in Silver City
- „Dinner Theatre“ im Westmark Hotel in Beaver Creek (nach so viel Einsamkeit tut es fast schon gut mal unter Leute zu gehen – wenn auch eher eine ziemliche
„ Touri-Veranstaltung“ aber nett gemacht.) (www.westmarkhotels.com)

7. Tag Strecke: Beaver Creek – Tok- Chicken – Dawson City ca. 434 Km

Taylor Highway, Top of the world Highway  Fahrtdauer ca. 8-9 Stunden

Kurz hinter Beaver Creek erreicht Ihr die US-Grenze nach Alaska (Vorsorge siehe Tag 4) . In Tetlin Junction verlasst Ihr nun den Alaska Highway und biegt auf den Taylor Highway Richtung Dawson City ab. Jetzt ist Euer fahrerisches Können gefragt. Der “Taylor Highway“ und der nachfolgende „Top of the World Highway“ sind unpaved, das heißt Schotter-Straßen! Und ab und zu kommt Euch auch mal ein wirklich großer Truck entgegen. Jetzt habt Ihr Euer Abenteuer!
Die Landschaft ist hügelig, märchenhaft einsam und ab und zu stößt man auf ausgediente Goldbagger und Geröllhaufen neben der Straße und verlassene Hütten am Wegesrand. Ein kleines Highlight ist dann „Chicken“. Dieses winzige US-Nest nimmt seine Lage mit Humor, hat seine „Main-Street“ und „Downtown“ ausgeschildert und verfügt zumindest über einen Souvenirladen und ein Restaurant. (www.chickenalaska.com)
Dann beginnt irgendwo im Niemandsland der „Top of the World Highway”.
Er schlängelt sich als Schotterpiste immer weiter die Berge hinauf und verläuft, einmal oben angekommen, wirklich auf dem Top of the World – immer entlang der Berggipfel oder auf einem Kamm viele Kilometer Richtung Dawson City. Atemberaubende Aussichten auf immer neue Täler und Flüsse!
Und Vorsicht vor teilweise feucht-sandigen Abschnitten der Piste – diese Strecke verlangt wirklich Eure ganze Aufmerksamkeit.
Irgendwann steht Ihr dann vor dem Yukon-River und auf der anderen Flussseite taucht Dawson City auf. Die Fähre bringt Euch kostenlos wieder in die Zivilisation. (www.dawsoncity.ca)

2 Übernachtungen

To stay:

Dawson City RV Park

To do:

- Blockhütte von Jack London besichtigen
- Den „Sourtoe Cocktail“ im Sourdough Saloon probieren … mehr wird nicht       verraten.
- Ausflug auf den Midnight Dome, den Hausberg von Dawson mit einem sensationellen Blick auf den Zusammenfluss von Yukon und Klondike River
- Ausflug zum Bonanza Creek/Gold Dredge No 4 – einem alten riesigen Goldschürfbagger
- Diamond Tooth Gerties Gambling Hall. Heute ein Casino mit abendlichem Auftritt der “Diamon Tooth Girls”. Der Treffpunkt für Touris und echte Goldgräber – die Mischung ist sensationell.

9. Tag: Strecke: Dawson City – Carmacks

Klondike Highway ca. 353 km ca. 6 Stunden

Der Klondike Highway ist sehr gut zu befahren und die Strecke verlangt nicht ganz so viel Aufmerksamkeit wie die Tage vorher.
Und wenn Ihr zu den ganz Verwegenen zählen wollt, müsst Ihr kurz hinter Dawson auf den legendären Dempster-Highway abbiegen und darauf wenigstens ein paar Meilen fahren, bevor Ihr wieder umkehrt.
Der Dempster Highway ist die einzige Straße in den Northwest Territories und endet nach 738 km in Inuvik. (www.yukoninfo.de)

Ca. 20 km vor Carmacks liegen berühmte Stromschnellen-die „Five Finger Rappids“, wo vor hundert Jahren viele Goldsucher ihr vorzeitiges Ende fanden.

1 Übernachtung

To stay :

Carmacks RV Park (www.hotelcarmacks.com)

To do:

Abstecher auf den legendären Dempster Highway
Abstecher nach Mayo
Stopp an den Five Finger Rappids

10. Tag: Carmacks – Ross River 231 km ca. 4 ½ Std. Campbell Highway

Der Campbell Highway ist zwar größtenteils nur eine Schotterstraße aber durchweg gut zu befahren.
Das Highlight auf der Route heute ist wohl der „Supermarkt“ in Ross River – dem müsst Ihr unbedingt einen Besuch abstatten!






To stay:

Lapie Canyon campground
Johnson Lake campground

To know:

In Ross River zweigt die South Canol Road Richtung Whitehorse ab. Sie gilt nicht umsonst als die schlechteste Straße im Yukon…. Solltet Ihr sie dennoch befahren wollen, erkundigt Euch bitte in Ross River nach dem aktuellen Straßenzustand. Gerade im Frühsommer ist die Straße wegen Erdrutschen oder Steinschlag schon mal versperrt – und dann heißt es Rückzug – was bei 200 km Feldweg kein Vergnügen ist. Ansonsten ist die South Canol Road die ultimative Off-Road Erfahrung und auch mit einem normalen Camper zu befahren – aus Sicherheitsgründen am besten im Konvoi…

11. Tag : Ross River – Watson Lake  Campbell Highway


372 km ca. 5 ½ Stunden

Euer Endziel heute, Watson Lake. Er ist in erster Linie durch seinen Schilderwald berühmt. Die Sammlung aus inzwischen über 50.000 Schildern aus aller Welt hat 1942 ein heimwehkranker Soldat während des Baus des Alaska-Highways begonnen (so sagt zumindest die Geschichte).



1 Übernachtung

To stay:

Watson Lake RV Park (www.yukoninfo.com)

12. Tag: Watson Lake – Teslin Alaska Highway 274 km ca. 4 Stunden

Die Straßenverhältnisse haben heute, so meint man, nach den hunderten Kilometern Schotter, bald europäische Standards 
Also genießt das cruisen auf dem asphaltierten Alaska Highway durch endlos scheinende Wälder und an wildromantischen Seen vorbei.





1 Übernachtung

To stay:

Teslin Lake campground

13. Tag Teslin – Whitehorse  Alaska Highway 171 km ca. 2 ½ Stunden

Proportional zur Nähe zu Whitehorse steigt auch das Verkehrsaufkommen auf dem Alaska Highway an – wo kommen die denn alle plötzlich her?
Wer an den ersten Tagen den Ausflug zum Miles Canyon nicht geschafft hat, kann hier kurz vor Whitehorse abbiegen und ihn nachholen.
Und nun hat Euch die Zivilisation wieder.
Als Abschluss empfiehlt sich ein gutes Essen z.B. im High Country Inn – hier gibt es ausgezeichnete Büffel-Spare Ribbs-und ja: Sie sind so groß!

To stay:

Hi Country RV Park (www.hicountryrvyukon.com)

 

Eine Antwort zu “Kanada für Fortgeschrittene – Routentipp für den Yukon”

  1. Klaus-Peter Jung sagt:

    Wer im Yukon ist und nicht den Dempster Highway bis Inuvik fährt, verpasst ein absolutes Highlight. Meine Empfehlung: mit Wanderungen und anderen Aktivitäten mindestens 1 Woche einplanen. Der Spätsommer/Frühherbst ist für mich die schönste Reisezeit.

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