Eines direkt vorweg, und damit wollen wir allen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln nehmen
: Ja, wir wissen auch, dass es grünes Reisen nicht wirklich geben kann. Auch deshalb setzen wir das “Grün” im Titel in Anführungszeichen .. Dies ist der erste Teil einer Mini-Serie zum Thema umweltbewusstes Reisen. Eine Liste mit “grünen” Veranstaltern folgt in Teil 2.
Wer wirklich grün, also umweltfreudlich, reisen will, der bleibt idealerweise zuhause, schnürt dort die Wanderschuhe und macht die Haustür hinter sich zu. Wer jedoch nach Kanada reist, der zieht schon beim Hinflug eine messbare CO-2-Spur hinter sich her. Und einmal angekommen, geht es weiter im Benzin schluckenden Mietwagen oder Wohnmobil. Wirklich und wahrhaft grün zu reisen, ist also nicht möglich. Es sei denn, man schnürt .. siehe oben.
Weil das Reisen jedoch ein Menschenrecht ist und einem daher schlecht verboten werden kann, müssen Kompromisse her. Dazu gehört vor allem eine umfassende, soviele Facetten wie möglich abdeckende Definition von Ökotourismus. In Anbetracht der kanadischen Realitäten fassen Outfitter, Veranstalter und Hoteliers den Begriff deshalb sehr weit. Ökotourismus bedeutet für sie also nicht nur Ferien an einem ungewöhnlichen Ort fern der Ballungszentren, sondern vor allem
1. der Besuch von Wildnisgebieten, ohne die Natur zu beschädigen,
2. sich aktiv am Schutz des besuchten Ökosystems zu beteiligen und den Gästen durch mitreisende Experten zu erklären,
3. die Umwelt nicht durch den exzessiven Gebrauch begrenzter Ressourcen wie Strom und Wasser zu belasten,
4. Fauna, Flora und indianische und Inuit-Kulturen als Top-Attraktionen zu bewerben,
5. die einheimischen Ur-Kulturen zu respektieren und zu schützen, und
6. die Einnahmen aus dem Ökotourismus mit den Menschen vor Ort zu teilen bzw. sie in Umweltschutzprojekten zu reinvestieren.
Für den Besucher bedeutet dies vor allem: bewusster reisen! Allerdings müssen dazu alle Antennen ausgefahren und die bequeme Konsumentenhaltung aufgegeben werden. Dabei kommen einem die Verhältnisse in Kanada jedoch entgegen. So kann man sich vor dem Besuch indianischer und Inuit-Veranstaltungen leicht in Kultur- oder Besucherzentren über die Kultur der Gastgeber informieren. In Wildnisgebieten schätzt man Flora und Fauna, indem man auf markierten Trails bleibt, anstatt durch’s Unterholz zu preschen. Selbst produzierte Abfälle verschwinden im Rucksack und werden zum nächsten Recycling-Container getragen. Seltene Fossilien bleiben wo sie sind.
Auch bei der Suche nach einer Unterkunft lässt sich Umweltbewusstsein umsetzen. Immer mehr Hotels, Motels, Lodges und B&Bs praktizieren beispielsweise nachhaltiges Hotelmanagement. Orientierunsghilfe für den Besucher bietet dabei die Hotel Association of Canada (www.hotelassociation.ca). Diese belohnt alle Unterkunftsbetriebe, die die Bedingungen ihres “Green Key Eco-Rating Program” (www.greenkeyglobal.com) erfüllen, mit dem “Green-Key-Sticker”, der gut sichtbar auf Homepages und Eingangstüren klebt. Nicht nur in Hotels, vor allem in Lodges in der Wildnis gilt es, die Ressourcen zu schonen. Dazu gehört vor allem der sparsame Umgang mit Wasser und Strom. Auch sollte man hier nicht mehr Abfall als unbedingt notwendig produzieren. Immer mehr Unterbringungsbetriebe weisen ihre Gäste ohnehin darauf hin.
Auch das Bewusstsein, dass es sich beim Ökotourismus um einen neuen, wirtschaftlich lohnenden und Arbeitsplätze schaffenden Erwerbszweig handelt, hat sich in den letzten Jahren geschärft. Deshalb sollte man beispielsweise bei der Suche nach “grünen” Veranstaltern von Großtierbeobachtungen, Rafting-, Kanu- und Trekkingtouren darauf achten, ob diese einen Teil ihrer Einnahmen zurückfließen lassen - sei es in die Gemeinde, von der aus sie operien, sei es in Umweltschutzprogramme, sei es in politische Aktivitäten zum Schutz bedrohter Ressourcen. Oft machen solche Veranstalter bereits auf ihren Homepages auf ihr ökologisches Engagement aufmerksam.
Schlussendlich gibt es in Kanada natürlich noch mehr Restaurants und Diner als Tim Horton´s & Co. Immer mehr, sowohl im Osten wie im Westen, bieten regionale Küche: Dort kommen nur Produkte auf den Tisch, die von hiesigen Farmen und Gärtnern angebaut wurden - und zwar ohne Verwendung von Chemikalien. Auch hier gilt: Die Suche nach diesen Restaurants ist einfach. Online-Guides wie www.eatwellguide.org führen zu organische Produkte servierenden Restaurants in ganz Kanada.
Text & Bilder: Ole Helmhausen